Hawai’i seit dem 19. Jahrhundert

Als der englische Entdecker James Cook 1778 Hawai’i (aus Sicht der restlichen Welt) wiederentdeckte, fand er daher nur scheinbar ein Paradies vor. Tatsächlich lagen alle Inseln miteinander im Krieg, schwere soziale Unruhen waren an der Tagesordnung.

 

Die Ankunft der technisch überlegenen Europäer sollte natürlich wie an so vielen Orten der Welt für die Ureinwohner schließlich alles verändern. Zwar gelang es Anfang des 19. Jahrhunderts König Kamehameha dem Großen als erstem Herrscher Hawai’is, alle acht bewohnten Inseln unter seiner Herrschaft zu vereinen. Doch nach seinem Tod 1819 folgten ihm keine vergleichbar starken Könige mehr nach.

 

Das eigentliche Ende der alten Kultur Hawai’is – oder was davon noch übrig war – wurde zur selben Zeit eingeläutet. Der Hohepriester von Kamehameha II., dem Sohn Kamehamehas des Großen, ein Kahuna namens Hewahewa, hatte eine Vision, dass bald die Vertreter eines viel mächtigeren Gottes als der hawaiianischen in Hawai’i landen würden. Es gelang ihm, andere Kahunas und schließlich den König selbst zu überreden, gemeinsam mit ihm nichts weniger als den Sturz der alten Götter und die Zerschlagung der rechtlichen Strukturen zu unternehmen. Er glaubte wohl, damit bei den Neuankömmlingen in besonderer Gunst zu stehen.

 

Als Kamehameha bewusst das kapu brach, das es untersagte, mit Frauen am selben Tisch zu essen, sprach sich das wie ein Lauffeuer auf den Inseln herum. Eine regelrechte Lawine war die Folge: Die jahrhundertelang aufgestaute ohnmächtige Wut auf das oft übermäßig harte und missbrauchte kapu-System brach sich überall gewaltsam Bahn, und so beseitigten die Hawai’ianer selbstständig viele Symbole ihrer Unterdrückung, indem sie Tempel und Götterstatuen zerstörten. In kürzester Zeit brachen die Religion, das Rechtssystem und die soziale Ordnung zusammen, ein halbes Jahr lang herrschte ein Zustand des allgemeinen Chaos und der Anarchie.

 

Im Jahr 1820 kamen schließlich tatsächlich, wie von Hewahewa vorhergesagt, die Boten des mächtigen Gottes in Hawai’i an: puritanische Missionare aus Boston. Viele Kranke und Lahme hatten sich eingefunden und erwarteten ihre Heilung. Das konnten die Missionare natürlich nicht vollbringen, und so musste Hewahewa erkennen, dass er praktisch sämtliche Traditionen seines Volkes völlig umsonst zerstört hatte. Doch es war zu spät, sie wiederzuerrichten, und so wandten sich die orientierungslosen Hawai’ianer nach und nach dem einzigen zu, das ihnen blieb: der christlichen Religion und der westlichen Zivilisation und Technologie.

 

In politischer Hinsicht blieb Hawai’i noch bis Ende des Jahrhunderts formell unabhängig, wenngleich der Einfluss der Amerikaner stetig wuchs. Im Jahr 1893 schließlich wurde die letzte Königin Hawai’is, Lili’uokalani, auf Betreiben einiger US-Großgrundbesitzer mit Hilfe des US-Militärs abgesetzt. Hawai’i wurde für kurze Zeit eine unabhängige Republik, allerdings hauptsächlich, um die Annexion der strategisch äußerst günstig gelegenen Inselgruppe durch die USA vorzubereiten, die 1898 erfolgte. Im Jahr 1959 trat Hawai’i als 50. Bundesstaat den Vereinigten Saaten von Amerika bei.

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